03. September 2026 · 5 Min.

Zwischen Empörung und Verantwortung

Von Mathias Fischer

Redaktionelles Titelbild zur Kolumne „Zwischen Empörung und Verantwortung“

Die Glaubwürdigkeit der Politik grenzt an eine totale Katastrophe: Angefangen bei der Bildung der jetzigen Dreierkoalition bis hin zur Rühmung winziger Stellschrauben, die als Reformen verkauft werden.

Der Sommer hat gezeigt, welch dramatische Hürde unsere Politik nehmen muss, damit die kommenden Wahlen kein Desaster für die einstigen Großparteien werden. Besonders die Umfragen werfen den Blick auf die von vielen als rechtsextrem eingestufte FPÖ. Doch war es nicht auch die FPÖ, die die letzte Wahl auf Bundesebene gewonnen hat?

Tatsächlich schleicht der besonnene Schein einer multikulturellen Gesellschaft durch die Gassen von Wien, ohne dabei den Gedanken an eine andere Sichtweise zuzulassen. Es wird auch nicht anders funktionieren – denn ein Großteil der Menschen stammt nun einmal nicht direkt aus Österreich, obwohl manche Parteien gerade damit Stimmen aus der Bevölkerung gewinnen.

Nun sind wir angekommen: Migration – ein vielseitiger Begriff, der womöglich noch lange nicht austariert sein wird. Man könnte den Beipackzettel der Rechten befürworten, ohne dabei kritisch zu bleiben, oder man schwafelt der Linken eine weltoffene Fantasie nach.

Raus aus den Mustern einer reinen Welt der Ordnung und den Versprechen aus den gerühmten achtziger- und neunziger Jahren. Es hat sich alles verändert. Die Wirtschaft, der Konsum und auch der Wohlstand der Bevölkerung sind enorm gestiegen. Familien hatten damals einen anderen Lebensstil als heute. Wir können keiner Zeit nachtrauern, die der Wohlstandsidylle erst den entscheidenden Kick gegeben hat.

Führen wir uns wieder vor Augen, wie Österreich sich von einem Land aus Schutt und Asche zu einem wahren Kurort entwickelt hat. Es waren auch die Menschen dahinter, die den Glauben nicht verloren haben und trotz aller Schwierigkeiten weitergemacht haben.

Auch wenn die Politik nicht den Willen der Bevölkerung umsetzen kann, geschweige denn einen Kompromiss innerhalb der eigenen Koalition findet: Welche Hoffnung sollten wir dann noch haben?

Die Hoffnung, die unsere Vorgängergenerationen hatten, als sie aus dem Nichts ein Land auf die Beine gestellt haben, das von aller Welt für seine diplomatische Art geschätzt wird.

Ein Klassenkampf nach dem anderen und eine Verspottung des jeweils anderen in aller Öffentlichkeit werden das Ruder nicht herumreißen. Nicht die Empörung übereinander wird uns voranbringen. Im Gegenteil: Den Kompromiss und das Vertrauen wird es brauchen, um aus der Trancephase herauszukommen.

Vielmehr muss es eine Idee geben, die der Allgemeinheit den Glauben daran gibt, dass die Zukunft von uns selbst abhängt und nicht nur von den Strippenziehern in den politischen Ämtern.

Entscheidend wird sein, in welcher Weise wir die Demokratie verstehen, ohne jedoch unser Vertrauen missbrauchen zu lassen.

Auf geht’s in eine neue Denkweise, die uns hilft, an uns selbst zu glauben.

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