29. August 2026 · 5 Min.

Raus aus der Krise

Wie lange verweilen wir noch im Status quo und lassen den Gehirngespinsten weniger Patriarchen freie Bahn?

Von Mathias Fischer

Redaktionelles Titelbild zur Kolumne „Raus aus der Krise“

Sei es aus der Position des kritischen Beobachters oder aus der des zukünftigen Vaters: Welche Welt sehen wir – und welche sehen wir beabsichtigt nicht?

Die Strapazen aus der Pandemie sind nie richtig verheilt, geschweige denn sind sie immer noch kein Thema unserer täglichen Agenda. Dabei müssen wir nur unser Selbstbild beobachten. Der Blick in den Spiegel reicht oftmals aus, um zu erkennen: Das Leben hat sich geändert.

Wir vollziehen unser Leben in ganzheitlicher Gestalt und vergessen manchmal, welche Gestalt wir eigentlich sind. Geprägt von Erlebnissen und Beobachtungen sind wir das Wesen, das wir uns selbst auferlegt haben.

Das Wort „Krise“ scheint viel mehr unser morgendliches Mantra zu sein, zu dem wir hinaufblicken und uns selbst dabei noch wohlwollend zunicken.

Wie konnte es so weit kommen?

Fangen wir auch hier zunächst in der Geschichte an. Vielleicht definieren wir aber auch nur das Wort „Geschichte“ falsch. Es bedeutet nämlich vielmehr „Gegenwart“ als „Vergangenheit“ – und das, obwohl der Bogen der Erzürnung noch vielschichtiger in unserem Gedächtnis verweilt, als wir denken.

Auch unser gerühmtes Europa, das vor allem der auferlegten Destination des Wohlstandes dient, steht mit einem Bein auf dem Schlachtfeld.

Nicht die Gedanken an ein friedliches Miteinander fördern solche Aktivitäten und Handlungen. Nein, es sind vielmehr die Schreie nach einem starken Militär.

Doch worum geht es bei der Stärkung unseres Heeres tatsächlich? Um Abschreckung, um Sicherheit – oder letztlich um die Möglichkeit, einen Frieden mit militärischen Mitteln zu erzwingen?

Trotz der Aufrüstung und des Wettbewerbs um Waffen und nukleare Vernichtungsgeschütze braucht es Menschen, die den entscheidenden Befehl geben. Genauso braucht es Soldaten, die in weiterer Folge die Waffen benutzen.

Man sieht also klar den Unterschied zwischen der Beeinflussung von oben und einer freien Entscheidung aus eigenem Willen.

Frei zu sein bedeutet: Der Geist und der Körper haben nicht zu sein, sondern sie dürfen sein, wie auch immer sie möchten.

Dieses entscheidende Merkmal unterscheidet eine liberale Gesellschaft von einer feudalistischen Herrschaftskultur.

Leider gibt es nach wie vor Länder, die den Schein lieber vorgeben, als in umgekehrter Weise zu behaupten: Es ist in Ordnung, so wie wir sind.

Gleichzeitig ist die Verleitung, von oben aus diktiert zu werden, enorm – speziell wenn der freie Wille nur in der Fantasie der Menschen besteht.

Daher haben wir vermutlich auch unsere Krisen geerbt. Wir schaffen es momentan noch nicht, uns von dieser Kultur zu trennen.

Es braucht vereinte Kräfte, um zu sagen: Es reicht. Wir wollen einen Neuanfang.

Vermutlich braucht es nicht nur das. Wir müssen unser Selbst neu erfinden, möglicherweise kennen wir es noch nicht.

Begeben wir uns von nun an auf Entdeckungsreise, eine Reise, wie es Jules Verne von uns gewollt hätte. Begeben wir uns zum Mittelpunkt unseres Selbst und überlegen wir, wozu wir imstande sind.

Es ist so viel mehr möglich, als das, was wir glauben.

Aber manchmal reicht es schon aus, etwas zu glauben, denn vermutlich entstammt jeder Ursprung unserer Zivilisation diesem Muster.

Deshalb vertrauen wir auf unser Miteinander.

Denn dieses Miteinander kann unser aller Leben zu einem besseren Ort machen.

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